Donnerstag, 2. Juni 2016

Der Overlock Test bei Goldmarie, Teil 2 - Brother 1034 D

Nachem ich circa ein Jahr auf einer normalen Nähmaschine genäht hatte, wollte ich gern eine Overlock haben. Der Overlockstich war schön und gut, aber mir war das zu langsam, und die Stiche kamen mir auch nicht stabil genug vor. Klar, hätte ich auch in eine bessere Nähmaschine investieren können (ich nähe auf einer W6 3300 N und bin mit dieser eigentlich total zufrieden, abgesehen davon dass sie eben keine Overlock ist). Da ich aber nunmal wirklich viel Jersey und Sweat vernähe und Overlocks hierfür aufgrund des besonderen elastischen Stichs prädestiniert sind bzw. auch im Industrienähen hierfür verwendet werden, schien mir diese Anschaffung nur logisch.
Heute soll es im 2. Teil meines Overlock Tests um die Brother 1034 D gehen, die meine erste Ovi war, warum ich sie gekauft habe und wie ich damit zurecht gekommen bin.


Meine Ansprüche an die neue Maschine waren also gar nicht so hoch: Eine Overlock sollte es eben sein, schneller und sauberer nähen bei elastischen Stichen als meine Nähmaschine. Und dabei vielleicht nicht allzu teuer sein, wobei ich auch nicht unbedingt das günstigste Modell kaufen wollte. Die einschlägigen Discountermarken waren also schon mal raus, denn ich wollte nicht den Fehler machen, zugunsten des Preises auf ein Minimum an Qualität zu verzichten. Ich wollte und will mich ja beim Nähen verbessern und entwickeln.

Anschaffungsgrund / Überlegungen

Die Brother 1034 D ist in Nähbloggerkreisen / Hobbynäherkreisen ein wahnsinnig verbreitetes Modell. Es gibt Facebook Gruppen ausschließlich zu dieser Maschine, es gibt in Foren, Blogs und Bewertungsplattformen etliche Meinungen, und eigentlich wusste niemand etwas Negatives zu berichten. Übereinstimmender Tenor scheint zu sein, dass dies eine tolle Maschine sei, anfängergeeignet und dass man hiermit praktisch nichts falsch machen könne. Außerdem sieht sie wirklich hübsch aus mit den bunten, pastellfarbenen Fadenpannungsreglern!
Der Preis von 269,-€ schien mir also mehr als fair (meine Nähmaschine hat mehr gekostet), und so habe ich mir das Gerät bestellt - leider habe ich nicht die Möglichkeit, vor Ort Nähmaschinen auszuprobieren mangels Fachhändler in der Nähe, aber die großzügigen 60 Tage Rückgaberecht vom Nähpark gaben mir ein gutes Gefühl, sollte ich wider Erwarten doch nicht zufrieden sein.


Erste Eindrücke

Die Maschine kam bereits eingefädelt bei mir an, so dass ich mich mit dem berühmt-berüchtigten Overlock-Einfädeln zunächst gar nicht weiter rumschlagen musste. Einfach die mit bestellten 4 Garnkonen angeknotet und losgelegt. (Wir erinnern uns, hier wird mit 4 Fäden gearbeitet, diese müssen teils abenteuerlich über mehrere Rädchen und Häkchen hinweg eingefädelt werden müssen.)
Das Einstellen der Fadenspannung verlief auch recht entspannt (!), für mich bzw. meine bevorzugte Stoffart (Jersey/Sommersweat) habe ich recht schnell eine minimal von der Standardeinstellung abweichende Einstellung gefunden. Das Stichbild selbst war in meinen Augen auch ohne Fehl und Tadel, gleichmäßig und sauber. Fehlstiche gab es keine. Aufgefallen ist mir nach und nach, dass ich die Maschine als recht laut empfinde und sie für meinen Geschmack doch sehr stark vibriert. Im Vergleich dazu schnurrt meine W6 Nähmaschine wie ein Kätzchen, so dass ich die Brother Ovi allmählich empfand wie einen Traktor.


Die Ausstattung

Die Brother 1034 D kommt einer sehr übersichtlichen Grundausstattung daher. Für 269 Euronen kann man wohl auch nicht viel erwarten. Im Lieferumfang enthalten sind beispielsweise eine Pinzette zum Einfädeln der Greiferfäden, Garnrollenkappen, Garnrollenetze, ein Reinigungspinsel, ein Inbusschlüssel zum Entfernen der Nadeln sowie ein Satz Nadeln von Schmetz.
Vermisst habe ich einen Auffangbehälter für die Schnittreste. Es gibt für dieses Modell leider auch keinen nachzukaufen bzw. fehlt an der Maschine selbst eine Möglichkeit, diesen überhaupt zu verankern. Anfangs fand ich das nicht so schlimm, ich habe eben immer alles aufgesammelt, was nach einer Naht auf den Tisch gefallen war und in eine Tupperschüssel geworfen, die ich mir auf den Tisch gestellt habe. Irgendwann hat es mich dann aber doch gestört, es ist einfach ein unnötiger Handgriff und vor allem auch unnötiger Dreck, der bei der Arbeit verteilt wird.
Weiterhin fehlt der Maschine ein Fach zum Verstauen der wichtigsten Zubehörteile. Das hat mich auch gestört, da ich so den Pinsel, die Pinzette und den Inbusschlüssel, die ich doch recht häufig beim Nähen brauche, immer separat lagern musste und nie wirklich griffbereit hatte. Ich war es von meiner Nähmaschine so gewohnt, dass ich den nötigen Kleinkram immer direkt in der Maschine selbst lagern kann und habe bei der Ovi nur ungern darauf verzichtet.


Das Einfädeln

Nach über einer Woche kam ich das erste mal in die Verlegenheit, meine neue Maschine selbst einfädeln zu müssen, da mir ein Faden gerissen war. Mir war ein bisschen bang, aber ich machte mich beherzt ans Werk. Mithilfe des auf der Maschine angebrachten farblich gekennzeichneten Einfädelschemas sowie der Anleitung habe ich es bereits im zweiten Anlauf fehlerfrei hinbekommen. Und danach noch viele weitere Male! Es ist wirklich nicht so schwer, wenn man sich den Einfädelweg jedes einzelnen Fadens erst mal gemerkt hat und sich unbedingt an die in der Anleitung angegebene Reihenfolge hält (dies ist meines Wissens nach bei allen Overlockmaschinen so). Es liegt eine spezielle Pinzette bei, mit deren Hilfe man an den Faden an schwierigen Stellen gut entlang bekommt.
Extrem fummelig und nervig fand ich dagegen immer das Einfädeln der Nadeln, denn der Platz zum Hantieren ist durch den wuchtigen Nähfuß sehr begrenzt und auch gibt es leider keinen automatischen Nadeleinfädler. Das war ein Komfort, den ich von meiner Nähmaschine kenne und schmerzlich vermisst habe.



Die Handhabung

Grundsätzlich nicht kompliziert. Aufgrund der fehlenden Stichprogramme, wie man sie von normalen Nähmaschinen her kennt, gibt es hier nicht viele Bedienelemente. Man findet sich leicht zurecht: An-Aus-Knopf, Handrad für die Nadel, und der Hebel für den Nähfuß sind an der rechten Seite angebracht. Die Positionierung des Nähfußhebels hat mir gut gefallen, man muss nicht immer hinter die Maschine langen, wenn man den Fuß anheben oder senken möchte.

An der linken Seite des Gehäuses sind die Hebel für Stichlänge und -breite sowie den Differentialtransport angebracht. Außerdem ein Schalter zum Absenken des Messers. Hier haben mich zwei Dinge gestört: Dass die wichtigsten Hebel alle links sind, ist für mich als Rechtshänder nicht so günstig. Es wäre vielleicht einfacher in der Handhabung gewesen, wenn die Hebel nicht allesamt sehr schwergängig wären. Ein präzises und schnelles Einstellen der gewünschten Position ist nahezu unmöglich, da man so stark an den Hebeln drücken muss, dass man oft schon über die gewünschte Position hinaus rutscht und wieder korrigieren muss. Auch gibt es keinen wirklichen Druckpunkt, man muss teilweise wirklich richtig fest an den Hebeln drücken und dabei fast Angst haben, dass man ihn gleich in der Hand hält. Anfangs dachte ich, da würde ich mich dran gewöhnen, aber das Gegenteil war der Fall: Mich hat das wahnsinnig gestört, auch weil es mir den Eindruck einer "billigen" Haptik vermittelt hat und ich einfach zu lange gebraucht habe für eine gewünschte Einstellung.
Auch der Fußanlasser ist eher grobmotorisch veranlagt und kennt im wesentlichen zwei Möglichkeiten: An und Aus. Wenn man langsamer nähen will, muss man mit der Maschine gut vertraut sein oder einen wirklich feinmotorischen Fuß mit viel Gefühl haben ;-)

Fazit

Die Brother 1034 D ist eine grundsolide Maschine, die tut, was sie soll bzw. was ich ursprünglich erwartet hatte: Sie näht, sie näht relativ schnell und sie tut dies auch im Ergebnis recht ordentlich. Dafür ist der Preis vollkommen in Ordnung und sicherlich macht man hiermit auch nicht allzu viel falsch, wenn man einfach nur nähen will.
Was für mich nicht in Ordnung war, war der fehlende Komfort. Ich muss sagen, dass ich selbst ein wenig überrascht war, als ich feststellte, offenbar an meinen eigenen Ansprüchen vorbei gekauft zu haben. Weder hatte ich gedacht, dass dieses allgemein so beliebte Modell Eigenschaften aufweist, die ich als nicht akzeptabel empfinde, noch dass ich beim Nähen einen gewissen Komfort brauche. Das fehlende Zubehörfach und der fehlende Abfallbehälter beispielaweise: Verkraftbar, aber unnötig! Am meisten hat mich gestört, wie rumpelig die Maschine lief und wie schlecht sie bedienbar war durch die schwergängigen Hebel. Mir hat das Nähen damit schlicht keinen Spaß gemacht.

Den zweiten Teil meines Overlock Tests möchte ich mit dem Tipp abschließen, sich vorher darüber klar zu werden, welche Ansprüche man genau hat. Ob man einfach nur nähen möchte oder ob man auch Spaß dabei haben möchte und das Gefühl, mit einem wertigen und durchdachten Werkzeug zu arbeiten, das einem die Arbeit nicht nur ermöglicht, sondern erleichtert.

Jetzt wäre ich gespannt, wer von euch auch auf dieser Maschine näht und wie zufrieden ihr damit seid!

Kommentare

  1. Danke dir schon mal für diesen sehr aufschlußreichen Teil.
    Kaum zu glauben, aber ich habe immer noch keine Ovi. Den Fehler mir eine günstige Maschine zu kaufen habe ich einmal gemacht, das passiert nie wieder. Also spare ich noch auf eine Babylock.
    Warte dann gespannt auf den nächsten Post.
    Sonnige Grüße
    Bine

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    1. Sicher ne gute Entscheidung das mit dem Sparen. Alleridngs sind mir Babylocks viel zu laut (aber das Pusteeinfädelding sist schon toll...)

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  2. Ich habe von zwei Wochen die grosse Schwester von Deiner Brother (5234D, wenn micht nicht alles täuscht) gegen die Bernina 1150 MDA ausgetauscht.
    Was soll ich sagen oder besser gesagt fragen? Warum nicht gleich so oder warum nicht schon viel früher?

    Man kauft sich erst die Maschinen ohne einen wirklichen Plan zu haben. Meine Brother hatte Komfort (Abfallbehälter, Fach für das Zubehör) aber sie wurde mit der Zeit immer lauter, vibrierte immer mehr auf dem Tisch und das Stichbild war um Welten von der Bernina enfernt.

    Mit meinem heutigen Wissen würde ich sie nicht wieder kaufen, genau so wenig wie eine Nähmaschine vin Pfaff. Das ist doppelt ausgegebenes Geld denn früher oder später und je nach finanziellen Möglichkeiten tauscht man die Geräte aus. Meistens gegen Bernina...

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    1. Beim Stichbild muss ich sagen ich bin da kein "Nerd" ;-) Solange alles ordneltich ausieht und nix vertüddlt, erkenne ich da eh keine soo gravierenden Unterschiede. Bei der Bernina hab ich manchmal das Gefühl, die ist anfälliger für minimale Abweichungen von der optimalen Fadenspannung. Die Brother kam mir da gutmütiger vor, ich probier bei der Bernina deutlich mehr rum, bis es passt. Was hier allerdings GENIAL ist, ist dieses MTC Teil (Fadenschlingenkontrolle), das macht soo viel aus, finde ich!
      Man sagt ja "wer billig kauft, kauft doppelt", und zum Teil stimmt das auch. Ich finde immer, das Arbeitsgerät muss zu den eigenen Ansprüchen und Fähigkeiten passen. Andererseits sollte Luft nach oben da sein, und ich hab das bei mir einfach total unterschätzt, wie anspruchsvoll ich geworden bin. Und wenn man viel Zeit hinter der Nähmaschine verbringt, dann ist es auch schön, ein Gerät zu haben, mit dem man wirklich arbeiten kann und sich nicht hauptsächlich rumärgert. Man kauft sich ja auch keinen Smart, wenn man im Monat hunderte Kilometer unterwegs ist.
      Jedenfalls hatt eich erst überlegt, was in der Preisklasse zwischen der Brother und der Bernina zu kaufen, aber irgendwie dachte ich mir nach der Erfahrung mit der Brother, entweder richtig oder gar nicht ;) An der 1150 hab ich sicher noch LANGE Freude

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