Sonntag, 15. Mai 2016

Der Overlock Test bei Goldmarie, Teil 1 - Wozu überhaupt Overlock ?



Einige von Euch haben es auf Instagram oder Facebook schon gesehen: Ich hab eine neue Overlockmaschine und nähe nun auf der Bernina 1150 MDA. Nur knappe 8 Wochen nachdem ich mir meine erste "Ovi" überhaupt angeschafft hatte (das war eine Brother 1034 D), ist bereits eine neue bei mir eingezogen. Von meinem Upgrade von Brother auf Bernina zeigten sich manche verständlicherweise überrascht, immerhin sind das zwei völlig unterschiedliche Preis- und auch Leistungsklassen.
Und da ich ja nun diese zwei unterschiedlichen Modelle innerhalb kurzer Zeit kennengelernt habe, werde ich hier im Blog eine kleine Overlock-Vergleichs-Serie starten, in der ich beide Maschinen einzeln vorstelle und miteinander vergleiche.


Damit hoffe ich, vor allem Einsteigern, die genau wie ich selbst kürzlich noch, vor dem Kauf der ersten Overlock stehen, einen besseren Überblick zu verschaffen und sich über die eigenen Ansprüche und Fertigkeiten bewusst zu werden.  In meinem Fall, so viel kann ich zu dem Grund für meinen Wechsel zu Bernina schon mal sagen, war es nämlich so, dass ich meine eigenen Ansprüche schlicht unterschätzt hatte. Aber auch für schon erfahrenere Overlocker könnte der Vergleich spannend werden, wenn man sich überlegt, ob man mehr Geld für eine Maschine investieren sollte oder nicht.

Wenn ihr neugierig geworden seid und Lust habt, mehr zu erfahren, dürft ihr gespannt sein auf den ersten Testbericht, den ich bereits in wenigen Tagen online stellen werde.
Zuvor habe ich als Einstieg in die Materie einen allgemeinen Überblick zusammengestellt  zum Thema Overlockmaschinen und hoffe, damit die ein oder andere Anfängerfrage schon mal beantworten zu können.
Los gehts!

Was ist überhaupt eine Overlock und wozu braucht man die? 

Vorweg: Man braucht nicht unbedingt eine. Aber sie macht Spaß und erleichtert das Nähen von Kleidung. Ich selbst habe circa ein Jahr ohne Overlock genäht und alles mit einer "normalen Nähmaschine" (einer W6) gemacht. Diese hat einen so genannten Overlockstich und einen Overlockfuß. Damit erzielt man ganz passable und ordentliche Nähte. Allerdings darf man sich von dem Namen hier nicht in die Irre führen lassen: Mit einer richtigen Overlockmaschine hat dies nicht viel gemeinsam, es handelt sich lediglich um einen besonders stabilen elastischen Stich, der an die Stoffkante gesetzt wird. Eine Nähmaschine, egal welchen Stich man nutzt, näht Stofflagen zusammen. Eine Overlockmaschine näht, schneidet und versäubert in einem.
Konkret heißt das, ich lege meine Stofflagen unter den Nähfuß, neben dem sich ein kleines Messer befindet (keine Angst, es ist in der Regel so verbaut, dass man sich nicht verletzen kann!). Während des Nähvorgangs näht die Maschine direkt an der Stoffkante entlang und versäubert so die Naht, während das Messer die überschüssige Nahtzugabe bzw. kleine Unsauberheiten vom Zuschnitt abschneidet. Man erhält so eine sehr saubere, gleichmäßige und feste Naht.

Zum Vergleich: Oben "echte" Overlocknaht (leider hab ich aus Versehen die Rückseite fotografiert), unten Nähmaschine mit Overlockstich (kann von Modell zu Modell variieren, und sieht auch etwas schöner aus aus hier dargestellt, wenn man sich vorher die Mühe macht, Fadenspannung und Stichlänge zu optimieren ;-))

Man sieht deutlich den Unterschied: Die Ovinaht sieht aus wie gestochen und ist dank optimiertem Stofftransport viel gleichmäßiger und weniger wellig als die Nähmaschinennaht.

Sehr gern nutze ich meine Ovi auch zum Versäubern von gewebten Stoffen, damit diese nicht ausfransen. Hierzu einfach vor dem weiteren Verarbeiten an der Stoffkante entlang nähen.

 

Welche Vorteile hat eine Overlock noch?

Einer der Gründe, warum ich mir eine solche Maschine angeschafft habe: Ich wollte schneller nähen. Die Nähte mit meinem Overlockstich sahen bei korrekt eingestellter Fadenspannung ganz okay aus. Allerdings näht die Maschine hierzu mühsam mehrmals vor und zurück, es ist ja ein Zickzackstich. Und das dauert. Bis ich die Seitennaht eines Pullis geschlossen hatte, verging so einige Zeit, in der ich immer fast eingeschlafen bin. Eine Overlockmaschine näht mit 2 Nadeln und 2 Greifern (also 4 Fäden!) um die 1.300 Stiche in der Minute, und meine Seitennähte schließe ich damit im Nullkommanix. Es näht sich damit also nicht nur ordentlicher, sondern auch viel viel schneller und komfortabler.
Ein weiterer Vorteil von Overlocks ist der Differentialtransport. Die Maschine hat einen vorderen und einen hinteren Transporteur, die den Stoff mit unterschiedlicher "Geschwindigkeit" unter den Nähfuß schieben. Das klingt ein wenig kompliziert, hat aber einfach den Effekt, dass man so besser kontrollieren kann ob und wie stark der Stoff gedehnt wird beim Nähen. Gerade bei Jersey wird bei einer normalen Nähmaschine mit einfachem Transporteur der Stoff oft zu stark gedehnt, was zu unschönen Wellen und Beulen führen kann. Der Differentialtransport verhindert dies weitgehend. Da man ihn jedoch auch "in die andere Richtung" einstellen kann, kann man mit ihm auch bewusste Kräuselungen machen, was bei Rollsäumen an Ärmelabschlüssen beispielsweise sehr hübsch aussieht.

Insgesamt kann man mit einer Ovi speziell Kleidung hochwertiger und "professioneller" nähen.
Für was sie allerdings nicht geeignet ist: Quilten, Stopfen, Knopflöcher, Absteppen und eigentlich alles, wo mitten im Stoff genäht werden soll und nicht nur an der Kante. Denn das Messer schneidet zum einen ja den Stoff durch, und selbst wenn man eine Maschine mit absenkbarem Messer hat: Die Overlock kann keinen Geradstich! Sie ist also nur als Zusatzgerät zur normalen Maschine einsetzbar, es sei denn man kann auf das Absteppen und Säumen von Kleidungsstücken verzichten (was ich mir nicht recht vorstellen kann ;-))

Welche Modelle und Unterschiede gibt es bei Overlocks?

Wie auch bei normalen Nähmaschinen gibt es etliche Modelle verschiedener Hersteller. Allen ist gemeinsam, dass sie den Stoff in einem Arbeitsgang nähen und versäubern. Abgesehen davon unterschieden sich die Modelle in den Punkten Ausstattung und Komfort teils erheblich. Ich habe je ein Modell der unteren und eins der oberen Preisklasse getestet und zeige euch im Verlauf meiner Testserie die Unterschiede auf und erzähle, warum ich mich für welches Modell entschieden habe.

In wenigen Tagen gehts weiter mit meinem Overlock Test! Seid ihr dabei?
Näht ihr schon mit einer Overlock?


» Zum Overlock Test Teil 2

Kommentare

  1. Wunderbar! Herzlichen Dank für diese Mini-Serie. Ich stehe genau vor dere Frag, Overlock ja oder nein und profitiere ungemein von Deinen Überlegungen. Lustigeres sind die Brothr und die Bernina genau die Maschinen, zwischen denen ich schwanke. Freue mich schon auf den nächsten Teil!

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    1. Hey, das freut mich :-) Ich hoffe, dass dir die Vorstellung der Maschinen selbst dann auch ein wenig weiter helfen wird.
      Liebe Grüße
      Marie

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  2. Das war ein sehr hilfreicher Beittrag -ich bin gut informiert!

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